Gleiche Verfahren zur Ermittlung materieller Hilfen für ehemalige Heimkinder in den alten und neuen Bundesländern

Gegendarstellung zum Artikel in der "jungen Welt" vom 28.02.2015 "Opfer erster und zweiter Klasse"

In dem obigen Artikel behauptet der Autor, Matthias Krauß, ost- und westdeutsche Heimkinder würden ungleich behandelt. Zudem behauptet er, dass die Verfahren zur Ermittlung der Berechtigung für die Vergabe materieller Hilfen für DDR-Heimkinder andere wären als für ehemalige Heimkinder in der Bundesrepublik Deutschland. Beides ist falsch.

Zu 1)

Der Autor behauptet, die materiellen Hilfen hätten pauschal unterschiedliche Höhen „pro Person also durchschnittlich 8.300 EUR“ für ehemalige Heimkinder in den alten Bundesländern und „knapp 13.500 EUR“ pro Antragsteller Ost.

Richtig dagegen ist, dass beide Fonds vorsehen, dass ehemalige Heimkinder in der alten Bundesrepublik und in der DDR materielle Hilfen bis zu einer Höhe von 10.000 EUR erhalten können sowie unter bestimmten Bedingungen eine einmalige Rentenausgleichszahlung. Die Aufstockung des Fonds „Heimerziehung in der DDR von 1949 bis 1990“ auf bis zu 364 Mio. EUR sagt nichts über die tatsächlich an jedes ehemalige Heimkind auszugebenden Hilfeleistungen aus.

Zu 2)

Falsch ist ebenfalls die Behauptung, dass „Antragsteller beim Fonds West belegen (müssen – R.P.), dass körperliche und physische Schäden Folge des Heimaufenthalts sind, und ihre Bedürftigkeit nachweisen“, während die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur ausdrücklich betont hätte, dass der Wahrheitsgehalt der Auskünfte nicht geprüft würde. Eine Quelle hierfür nennt der Autor nicht.

Richtig ist, dass es von der Geschäftsstelle Fonds Heimerziehung ein einheitliches  „Handbuch über die geltenden Verfahrensregelungen für die Fonds `Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975´ und `Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990´“ gibt, in dem das Verfahren einheitlich geregelt ist. Hier heißt es:

„Vereinbarungen über Fondsleistungen müssen so begründet werden, dass der Sachzusammenhang zwischen Heimaufenthalt, Folgeschaden und der individuell vereinbarten Hilfe plausibel und nachvollziehbar ist; hierbei ist insbesondere das Augenmerk darauf zu richten, auf welche Weise die vereinbarte Leistung zur Abmilderung des Folgeschadens beiträgt.

… Bei allen Leistungen muss anhand der Begründung plausibel und nachvollziehbar sein, wie mit dem gewählten Hilfebedarf der spezifische Folgeschaden der/des Betroffenen aus der Heimvergangenheit abgemildert wird, und warum genau dieser Hilfebedarf dafür geeignet ist.“

Dementsprechend heißt es auf der Homepage der brandenburgischen Aufarbeitungsbeauftragten:

„Ehemalige Heimkinder  bekommen Hilfen aus dem Fonds, wenn sie glaubhaft machen können, dass sie durch die Heimerziehung geschädigt wurden und heute noch an den Folgen leiden. Außerdem kann ihnen eine einmalige Rentenersatzleistung gezahlt werden,  wenn sie im Rahmen dieser Unterbringung gearbeitet (ab dem 14.Lebensjahr) haben und diese in ihren bisherigen Rentenansprüchen nicht berücksichtigt worden ist.“

letzte Änderung am 07.04.2015