Verabschiedung von unserem Mitarbeiter Reinhard Schult in den Ruhestand

Heute verabschieden wir unseren langjährigen Mitarbeiter und Kollegen Reinhard Schult in den Ruhestand.

Reinhard Schult, Jg. 1951, gehörte zu den wichtigsten Aktivisten der Friedens- und Menschenrechtsbewegung in der DDR. Mit 28 Jahren saß er für 8 Monate in der Pankower  Untersuchungshaftanstalt des MfS wegen Verbreitung „illegaler Schriften“. Er hatte Texte von Robert Havemann und Wolf Biermann weitergegeben. Nach seiner Freilassung im April 1980 sägte er unverdrossen weiter am Gebälk des DDR-Staates. Er engagierte sich im Friedrichsfelder Friedenskreis, gründete mit seinen Freunden die „Kirche von Unten" und 1989 das Neue Forum.  Er wirkte mit bei der Aufdeckung der Wahlfälschung im Mai 1989 und saß für das Neue Forum am Zentralen Runden Tisch der DDR im Winter 1989/90. Für den 15. Januar 1990 rief er mit dem Neuen Forum zur Demonstration vor der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße auf, die zur Besetzung und damit zum endgültigen Ende aller Stasi-Tätigkeit führte. Von März bis Oktober 1990 war er im Staatlichen Komitee zur Auflösung des MfS tätig. Er setzte sich für die Stasi-Überprüfung der Abgeordneten der ersten frei gewählten Volkskammer ein.  Im September 1990 beteiligte er sich an der erneuten Besetzung des Mielke-Ministeriums, um eine dauerhafte Sperrung  der Stasiakten zu verhindern. Von 1991 bis 1995 gehörte er als Abgeordneter der Gruppe Neues Forum/Bürgerbewegung dem Berliner Abgeordnetenhaus an.

Bevor sich das Land Brandenburg entschloss, das Amt eines Aufarbeitungsbeauftragten einzurichten, übernahm Reinhard Schult die Beratung der brandenburgischen Opfer der SED-Diktatur. Den Auftrag dafür erhielt er von Martin Gutzeit, dem Berliner Beauftragten für die Stasiunterlagen. Seit 2010 ist Reinhard Schult Bürgerberater in der Behörde von Ulrike Poppe und wird am 13. März in den Ruhestand verabschiedet.

Wir danken ihm für sein außerordentliches Engagement vor, während und nach der Revolution und für seine Verdienste im Bundesland Brandenburg.

letzte Änderung am 13.04.2017