"Michael Gartenschläger - Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland"

Eröffnung der Wanderausstellung im Industriemuseum Brandenburg (Havel)

Beginn: 16.06.2017 18.00 Uhr

Ende: 20:00 Uhr

Industriemuseum Brandenburg an der Havel

August-Sonntag-Str. 5, 14770 Brandenburg an der Havel

Eine Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

Am Vorabend Jahrestages des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 erinnert das Industriemuseum Brandenburg an einen Menschen, der sich mit den Verhältnissen in der DDR weder abfinden wollte, noch konnte: Michael Gartenschläger.

Die Wanderausstellung
„Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“
der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn zeigt die Lebensgeschichte dieses ungewöhnlichen Menschen, der am 30. April 1976 von einem Spezialkommando des MfS an der innerdeutschen Grenze erschossen wurde.

Das kurze Leben des Michael Gartenschlägers wird in der Ausstellung mit originalen Objekten, Filmausschnitten, Abbildungen und Dokumenten veranschaulicht.

Michael Gartenschläger wurde am 13. Januar 1944 in Strausberg bei Berlin geboren und wuchs dort auf. Der Kfz-Schlosser Lehrling war zu Beginn der 1960er Jahre ein begeisterter Rockmusik-Hörer und gründete mit Freunden einen „Ted-Hold-Klub“ in Strausberg. Ted Herold was ein westdeutscher Rock`n`Roller, dessen Musik in der DDR ebenso verboten war wie jene von Elvis Presley. Gegen den Bau der Mauer am 13. August 1961 protestierte Michael Gartenschläger mit einigen Freunden durch das Schreiben von Parolen an Häuserwänden in Strausberg und sie zündeten eine frei stehende Heuscheune an. In einem Schauprozess wurde Michael Gartenschläger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt – mit 17 Jahren. Die meiste Zeit verbrachte er in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg-Görden. 1971 wurde er gemeinsam mit seinem Freund Gerd Resag in die Bundesrepublik entlassen. Ein eher unpolitischer Jugendlicher betrat 1961 das Gefängnis, 1970 wurde ein politisch bewusster junger Mann entlassen.

1976 gelang es Michael Gartenschläger zweimal eine Splittermine 70 – Todesautomat – vom äußeren Grenzzaun der DDR zu entfernen. Ende April 1976 stationierte das MfS ein Spezialkommando an der Stelle. Die Angehörigen gaben über 100 Schuss Munition auf Gartenschäger ab als dieser nachts am 30. April an den Zaun trat. Die Schützen wurden in den 1990er Jahren von einem Gericht in Schwerin frei gesprochen, die Auftraggeber aus der MfS-Zentrale in Berlin auch zumal der Hauptverantwortliche, Generalleutnant Karl Kleinjung, vor Prozessbeginn 2003 verstarb.

Zur Eröffnung der Ausstellung sprechen ein ehemaliger Mitgefangener von Michael Gartenschläger, Prof. Dr. Dieter Voigt, die Leiterin der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Dr. Susann Baumgartl und der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Erardo Rautenberg
über das Leben des Michael Gartenschlägers, die juristische Aufarbeitung seiner Tötung und die eventuell über seinen Tod hinausweisende Bedeutung Michael Gartenschlägers für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Ausstellung kann dank der Förderung der Brandenburgischen Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) gezeigt werden

letzte Änderung am 19.05.2017