„Diese Stele soll zum Anlass genommen werden, hier in Bad Freienwalde – aber auch anderswo – über das Heimerziehungssystem der DDR zu sprechen“

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke, erinnert an die Lebensumstände der Kinder im ehemaligen Durchgangsheim Bad Freienwalde und begrüßt die Errichtung des Mahnmals

Am 9. November 2017 wurde in Bad Freienwalde vor dem Polizeirevier eine Stele eingeweiht, die an das Leid der Kinder und Jugendlichen erinnern soll, die dort in dem damaligen Durchgangsheim bis 1987 eingesperrt waren. Das frühere Polizeigefängnis wurde 1968 von der Volkspolizei abgegeben und ein Durchgangsheim wurde hierin eingerichtet. Die Fenster blieben vergittert. Deshalb und angesichts der damaligen Heimordnung als auch dem rigiden Erziehungssystem nennen heute die ehemaligen Zöglinge die Einrichtung „Kindergefängnis Bad Freienwalde“.

Frau Dr. Nooke führte aus: „Dem Staat zur Fürsorge anvertraute Mädchen und Jungen erfuhren hier keine Hilfe für ihre schwierigen Lebensumstände. Sie wurden quasi für die Folgen bestraft, die diese Lebensumstände bei ihnen bewirkten. Egal ob Kleinkind oder Jugendlicher, die Kinder in den Durchgangsheimen erlebten keine Geborgenheit und Wertschätzung, sondern wurden ihrer Individualität beraubt, fühlten sich ausgeliefert und isoliert.“ Sie betonte, dass mit der Errichtung des Denkmals an dieses rigide System erinnert und auch ein Beitrag geschaffen wird, die noch heute wirkende Stigmatisierung von Heimkindern aufzubrechen.

„Ich danke Herrn Herrmann und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für das große Engagement, das zum Entstehen dieses Gedenkzeichens geführt hat. Mein Dank gilt auch allen, die die Errichtung materiell und moralisch unterstützt haben. Und ich wünsche mir, dass diese Stele zum Anlass genommen wird, hier in Bad Freienwalde – aber auch anderswo – über das Heimerziehungssystem der DDR zu sprechen und sich ehrlich zu machen über das Schicksal der Kinder und Jugendlichen, die darunter gelitten haben und bis heute mit den Folgen leben müssen. Als Landesbeauftragte bin ich mit meinem Team gern bereit, diesen Prozess zu begleiten und zu unterstützen.“

 

letzte Änderung am 10.11.2017